Joachim Dicks lernt das Trauern von Ulla Lenze und Daniel Schreiber
Nach seinen erfolgreichen Essays „Nüchtern“ „Zu Hause“ und seinem Bestseller „Allein“, geht Daniel Schreiber nun der Frage nach: Wie lässt sich ein Leben in Zeiten um sich greifender Verluste führen? Nichts möchten wir lieber ausblenden als die Unbeständigkeit der Welt. Dennoch werden wir immer wieder damit konfrontiert. Wie gehen wir um mit dem Bewusstsein, dass etwas unwiederbringlich verloren ist? In seinem neuen Essay „Die Zeit der Verluste“ (Hanser) nimmt Daniel Schreiber so hellsichtig und wahrhaftig, wie nur er es kann, eine zentrale menschliche Erfahrung in den Blick, die unsere Gegenwart maßgeblich prägt und uns wie kaum eine andere an unsere Grenzen bringt: den Verlust von Gewissheiten und lange unumstößlich wirkenden Sicherheiten. Ausgehend von der persönlichen Erfahrung des Todes seines Vaters erzählt Daniel Schreiber von einem Tag im nebelumhüllten Venedig und analysiert dabei unsere private und gesellschaftliche Fähigkeit zu trauern – und sucht nach Wegen, mit einem Gefühl umzugehen, das uns oft überfordert.
Ulla Lenze, 1973 in Mönchengladbach geboren, studierte Musik und Philosophie in Köln. Für ihre Romane wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2016 für ihr Gesamtwerk mit dem »Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft« und 2020 mit dem Literaturpreis der Stadt Krefeld. Ihr Roman »Der Empfänger« (2020, Klett-Cotta) wurde in zwölf Sprachen übersetzt. Im Frühjahr 2023 hatte sie die renommierte Max-Kade-Gastprofessur am Dartmouth College (USA) inne. Ulla Lenze lebt in Buckow in der Nähe von Berlin. Der Roman »Der kleine Rest des Todes« erschien 2012 in der Frankfurter Verlagsanstalt und wurde auf Platz 5 der SWR-Bestenliste gewählt.
Der Roman verhandelt die Verabreitung eines plötzlichen Unfalltodes. Seit ihr Vater bei einem Flugzeugabsturz tödlich verunglückt ist, ist auch Ariane irgendwie nicht mehr da. Und die rauschende Stille der indischen Palaniberge, in denen sie Monate in einem Zen-Kloster verbracht hat, scheint Lichtjahre entfernt. Spätestens als sie eines Morgens unter dem Fenster ihres Liebhabers erwacht, weiß sie, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Doch wie ließe sich vernünftig und gradlinig leben, wenn doch der Tod sich nicht ins Leben einfügen will, wenn doch immer ein Rest bleibt: die Erinnerung an ein letztes Winken am Bahnsteig, die befremdliche Präsenz der gespeicherten Nachrichten des Anrufbeantworters und die quälende Frage nach den wirklichen Ursachen des Unfalls ist. Während sich Mutter und Schwester um die bürokratische Abwicklung des Todesfalls kümmern, ist Ariane auf der Suche nach Halt.
Moderiert von Joachim Dicks (NDR), berichten sie vom Glaube an das Gute, finden Worte für das Unfassbare und geben Einblicke in ihre persönlichen und literarischen Umgänge mit größtem Schmerz.
Copyright des Fotos von Ulla Lenze: Julien Menand
Copyright des Fotos von Daniel Schreiber: Florian Hetz
Contentwarnung
Diese Veranstaltung wird vorraussichtlich folgendes Thema behandeln: Tod und Verbrennen. Die Gespräche unserer Veranstaltungen werden stichpunktartig vorbereitet und entstehen immer erst im Moment. Trotzdem möchten wir eine grobe Orientierung geben für Zuschauer:innen, die diese Themen beunruhigt.
Leider musste Elke Naters die Teilname an der Veranstaltung absagen. Tickets können bei Ameis Buchecke zurückgegeben werden.