Über St. Jakobi

 

Das Literaturhaus St. Jakobi Hildesheim liegt mitten in der Fußgängerzone, in einer über 500 Jahre alten Pilgerkirche. Alltagsreisende, Heimatlose, Kreative und Geschichtenliebhaberinnen machen hier Rast. An diesem Ort sprechen geschichtsreiche Buchkunst und Neue Medien miteinander. Moderne Einrichtung trifft auf alte Gemäuer. Pilgertraditionen werden kombiniert mit urbanen Experimenten. Diese Kulturkirche ist Zwischenraum, Impulsort, Raststätte. Die alte Pilgerkirche hat sich seit 2014 unter der Leitung von Gründungsintendant Dirk Brall transformiert in einen Ort literarischer Gegenwart.

Im September 2014 startete die erste Spielzeit, die sich dem Meer widmete. Einen Einblick in eine Veranstaltung mit dem Schauspieler Peter Lohmeyer (u.a. Das Wunder von Bern) und Nikolaus Gelpke (mare-Verleger) gibt es hier:

Jährlich wird zu jeder Spielzeit ein kuratiertes Jahresprogramm zu einem Thema komponiert. Szenische Lesungen, Wortinstallationen, Werkstattgespräche, kollaboratives Schreiben, Erzählabende und viele andere literarischen Formate finden hier statt. Darüber hinaus gibt es in
St. Jakobi Veranstaltungen, die dem Leben Rhythmus schenken und den Alltag inspirieren. Angelehnt an die Tradition der Pilger*innen – für das Leben in der Stadt. Im Mai 2016 war der Schriftsteller Jan Weiler hier zu Gast:

Das besondere Design mit dem jährlich wechselnden Marker wurde von Studio Hoekstra in Kooperation mit Dorle Schmidt (Studio komplementær) entwickelt und umgesetzt.  Das erste Bühnenbild „Meer„ entwickelte die Bühnebildnerin Andrea Kämpf gemeinsam mit dem Gestalter Benjamin Groß, der in den weiteren Jahren die Bühnenbilder „Wald„ und „Berg„ entwarf und umsetzte. Seit der Spielzeit „Stadt„ verantwortet und gestaltet der Tischler und Gestalter David Schnitter unsere besonderen Spielzeit-Installationen, die er zu Beginn mit Benjamin Groß entwarf und umsetzte („Stadt„, „Land„). Er arbeitet mit einem wechselnden Team. Das Projektmanagement hat die Kulturwissenschaftlerin Sarah Patzak entwickelt. Sie leitet ab November 2021 die Kulturkirche.

Im Frühjahr 2017 entstand gemeinsam mit Geflüchteten und Literaturstudierenden die Zeitung „Wo wir leben„:

Das Literaturhaus ist ein Projekt des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Hildesheim-Sarstedt. Das Gebäude gehört der St. Andreas-Kirchengemeinde. Die Geschichte der Kirche ist eng verbunden mit der Stadtentwicklung.

Geschichte der Kirche

Schon vor dem jetzigen Bau existierte eine Pilgerkapelle mit dem gleichen Namens, die der Straße den Namen gab. Sie gehörte zu den zahlreichen Jakobus-Kapellen, die die verschiedenen Zweige des Jakobswegs säumten. Daneben stand ein Gasthaus, das zu der Kapelle gehörte und die Pilger aufnahm. Mit dem Bau der einschiffigen Jakobikirche aus Sandstein wurde 1503 im Stil der Gotik begonnen. Von 1512-14 wurde als letztes der Turm fertig gestellt. St. Jakobi war die Pfarrkirche der Hildesheimer Altstadt und wurde 1542 den Protestanten übereignet. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Innere der Kirche barockisiert.

Im Mai 2018 waren der Schriftsteller und Dozent Frank Berzbach (Die Kunst ein kreatives Leben zu führen) und Verlegerin Karin Schmidt-Friderichs (Hermann-Schmidt-Verlag) im Gespräch mit Hannes Leitlein (Die ZEIT):

Wie fast alle Gebäude wurde auch die Jakobikirche im Zweiten Weltkrieg am 22. Februar 1945 an erheblich beschädigt. Beim nächsten großen Bombenangriff am 22. März 1945 brannte sie vollständig aus. Nur die Umfassungsmauern, das gotische Maßwerk einiger Fenster und der Westturm blieben erhalten. Schon im Sommer 1948 begann der Wiederaufbau und war bereits 1949 vollendet. Sie stand als erste Kirche Hildesheims wieder. Statt der ursprünglichen Spitze wurde der Westturm mit einem flachen Zeltdach errichtet.

Im Juni 2019 veranstalteten wir mit Studierenden und Professorin Dr. Annette Pehnt einen Abend mit Texten aus dem Nature-Writing, zu dem wir Verleger Andreas Rötzer (Matthes & Seitz, Naturkunden) eingeladen hatten.

 

Seit dem war die Kirche Heimat für die Andreasgemeinde, Militärseelsorge, reformierte Kirche und Ort für die Schwestern vom Casteller Ring. Ab 2000 baute dann Pfarrer Claus-Ulrich Heinke die Arbeit der Citykirche – Kirche am Wege auf. Mit Ausstellungen, Konzerten, Gottesdiensten und Veranstaltungen wuchs die Kirche zu einem Kulturort heran. Ehrenamtliche engagierten sich. Als Claus-Ulrich Heinke in den Ruhestand ging, übernahm Nora Steen die Leitung, bis sie diese aufgrund von Elternzeit abgab. 2012 wurde die Kirche geschlossen, um ein neues Konzept zu erarbeiten. Ende 2013 wurde sie mit drei weiteren Kirchen von der Hanns-Lilie-Stiftung und der Landeskirche Hannovers zur signifikanten Kulturkirche für vier Jahre mit dem Konzept als Literaturkirche ausgezeichnet.

Den Johannistag entdeckten wir im  Juni 2020 mit literarischen, musikalischen und spirituellen Interaktionen neu:

Nach zweijähriger Schließung wurde am 30. April 2014 mit dem Prolog die Kulturkirche neu unter der Leitung von Kulturwissenschaftler und Intendant Dirk Brall feierlich eröffnet. Seit dem haben eine Vielzahl von Schriftsteller*innen und Künstler*innen hier Station gemacht: Unter anderem Doris Dörrie, Navid Kermani, Cornelia Funke, Mariana Leky, Ulrich Noethen, Philipp Winkler, Shida Bazyar, Frank Berzbach, Peter Lohmeyer, Robert Seethaler, Margit Käßmann, Ralf Rothmann, Christine Westermann, Bov Bjerg,  Anselm Grün, Ilija Trojanow, Annalena Baerbock, Stephan Weil, Ralf Meister, Maren Kames, Juan S. Guse und viele mehr. Im Herbst 2017 und im April 2021 wurde sie erneut als signifikante Kulturkirche ausgezeichnet.