3 Fragen an Johann Hinrich Claussen

Der Autor, Theologe und EKD-Kulturbeauftragter ist am 9. März 2019 bei uns mit seinem neuen Buch, das „Buch der Flucht„ im Gespräch mit PD Dr. Julia Koll, Akademie Loccum. Aus dem Buch liest der Schauspieler Ulrich Noethen. Wir haben ihm vorab drei Fragen gestellt.

Lieber Herr Claussen, was war die erste Idee zu diesem Buch?

Seit langem hatte ich mit meinem Lektor darüber gesprochen, einmal ein Buch über die Bibel zu schreiben. Aber es wollte nicht recht gelingen. Man braucht ja eine besondere Idee, eine Frage, ein Anliegen, um dieses Buch neu zu öffnen. Im Herbst 2015 habe ich dann für den „Spiegel„ einen Aufsatz über die Bibel als Buch von Heimatlosen für Heimatlose geschrieben. Ich wollte der aufgewühlten deutschen Öffentlichkeit eine notwendige Erinnerung geben. Das war der Kern dieses Buches.

Sie schreiben viel – eigene Bücher und für verschiedene Zeitungen. Wie war das Schreiben an diesem Buch?

Das Besondere beim Schreiben dieses Buches zeigte sich am Schluss: Ich kam zeitlich unter Druck und wollte das Tempo meiner Produktion erhöhen, aber das ging nicht, denn die biblischen Texte haben ein eigenes Zeitmaß, eine Ruhe und Langsamkeit, die sich nicht bedrängen lässt. Das ist eine Erfahrung, die mich gefreut hat – aber erst, als ich das fertige Manuskript abgegeben habe.

Was haben Sie für Rückmeldungen auf Ihr Buch bekommen?

Rückmeldungen kommen meist langsam und spärlich. Und dies ist ja ein stilles Buch, das nicht auf Empörungswellen Richtung Bestseller-Erfolg surft. Aber bei Lesungen merke ich, dass sich Menschen neu auf die Bibel ansprechen und überraschen lassen. Besonders interessiert sie die Vorstellung, dass der Glaube an den einen Gott ein Glaube für Heimatlose ist. Anders als die Götter des Polytheismus, die feste Heimatorte haben, ist der Monotheismus eine Religion für Menschen, die unterwegs und auf der Suche sind.

Vielen Dank! Wir freuen uns sehr auf den Abend!