3 Fragen an Julia Krankenhagen

Die Buchhändlerin und Kulturwissenschaftlerin Julia Krankenhagen ist Gründungsmitglied des neuen Förderkreises, der sich die Aufgabe gemacht, die neue Heizungsanlage zu fördern. Heute arbeitet sie als Transfermanagerin für das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung.

1. In Hildesheim hast du studiert, warst einige Jahre woanders tätig und lebst mit deiner Familie seit fast zehn Jahren wieder hier. Was macht das Leben für dich hier aus?

Kleine Stadt, kurze Wege, schöne Umgebung, freundliche Menschen. Das ist das Fazit nach neun Jahren Hildesheim. Weitere fünf Jahre habe ich die Stadt von 1995 bis zum Jahr 2000 in einer völlig anderen Lebensphase bewohnt. Damals schätzte ich den Freiraum, den Hildesheim uns Studierenden bot. Es gab immer wieder Möglichkeiten, Projekte in Stadt und Landkreis selbst zu konzipieren und zu realisieren. Selber denken, selber machen und darüber reflektieren, was warum wie funktioniert. Das war und ist einer der Grundsätze in den Kulturwissenschaften. Diese Haltung hat Hildesheimer Erfolgsgeschichten wie beispielsweise das Forum Heersum hervorgebracht.

Im Gegensatz zu unseren zwischenzeitlichen Lebensstationen in Berlin und Trondheim mussten wir uns Hildesheim nach unserer Rückkehr erarbeiten. Diese Stadt überwältigt nicht per se, man kommt ihrem Puls und ihrer Energie nur nach und nach auf die Spur. Das Lebensgefühl ist geprägt durch ein ruhiges Tempo. Hildesheim ist eine lebenswerte, bodenständige Stadt in angenehmer Größe – das ist für den Alltag einer Familie eine gute Basis und wir haben einige Perlen wie beispielsweise das Literaturhaus entdeckt, die das Leben hier angenehm machen.

2. Du engagierst dich im neuen Förderkreis vom Literaturhaus St. Jakobi – warum?

St. Jakobi ist als alte Pilgerkirche ein Ort der Einkehr, Kontemplation und Besinnung. Dem Team des Literaturhauses ist gelungen, aus der historischen Stätte einen Ort der Begegnung für das heutige Hildesheim zu machen. Man erlebt dort (hier?) mehr als Literatur und Kunst – man wird eingeladen, Menschen zu treffen und sich auszutauschen.
Durch das Gesamtkonzept, das für jede Spielzeit ein Thema setzt und den Raum durch wechselnde Bühnenbilder verändert, entsteht ein fruchtbares Spannungsverhältnis zwischen Wort und Bild. So wird Literatur an einem alten Ort zu einem immer wieder überraschend neuen Erlebnis.

3. Vor deinem Studium hast du eine Lehre als Buchhändlerin gemacht – welches Buch empfiehlst du immer wieder?

Nur ein Buch empfehlen zu dürfen ist eine kaum lösbare Aufgabe für eine lebenslange Leserin. Die Klassiker sind mir – ganz unabhängig von der jüngst wieder aufbrechenden Kanon-Debatte – lieb und teuer. In Reichweite habe ich immer Michel de Montaignes „Essays„ mit ihren undogmatischen Gedanken und der Betonung der Wichtigkeit von konkreten Erfahrungen und unabhängigem Urteilen. Derzeit lese ich auch erneut Samuel Pepys „Tagebuch„, das mit seiner Schilderung der Pestzeit im London des 17. Jahrhunderts heute eine erstaunliche Aktualität besitzt. Meine Empfehlung ist aber das Werk der Autorin Chimamanda Ngozi Adichie. Mit „Americanah„ hat sie vor einigen Jahren einen Roman geschrieben, der ein außerordentliches Lesevergnügen ist und die großen Themen unserer Zeit aufgreift.