3 Fragen an Judith Martin

Judith Martin engagiert sich neben ihrem Master-Studium „Literarisches Schreiben„ seit fast zwei Jahren bei uns als Programmassistentin.

1. Du warst während des ersten Lockdowns zum Studieren auf Sardinien, wo die Einschränkungen viel härter waren. Wie hast du diese Zeit erlebt?
Die zwei Monate im Frühjahr waren eine seltsame und anstrengende, aber auch eine interessante Zeit. So eine Ausnahmeerfahrung habe ich vorher noch nicht gemacht, und ich glaube, es war einfacher für mich, das im Ausland zu erleben, weil es so einen kleinen Hauch von Abenteuer hatte. Mit ausgedehnten Radtouren zum Supermarkt und Spaziergängen mit Müllbeutel in der Hand habe ich mir meine Freiräume gesucht. Und auch viel gelesen auf unserem sonnigen Balkon, unter anderem den Briefwechsel von Christa Wolf und Sarah Kirsch

2. Immer wieder empfiehlst du uns Bücher – welches sollten wir noch unbedingt in diesem Jahr lesen?
… den ich in jedem Fall empfehlen kann (es macht großen Spaß, die Entwicklung der vertrauten Beziehung zwischen den Schriftstellerinnen zu verfolgen, und immer wieder scheinen zeitgeschichtliche Entwicklungen in BRD und DDR durch), allerdings ist es wohl ein bisschen zu dick für die restlichen Wochen von 2020. Die Tagebücher von Sarah Kirsch sind genauso lesenswert und deutlich dünner, „Das simple Leben“ von 1994 mit (sehr reichhaltigen!) 98 Seiten zum Beispiel gut zu schaffen. Kirsch verbindet in ihren Heften Eindrücke und Gedanken aus dem Alltag und Nachrichtenschnipsel aus dem Radio mit Einblicken in ihre schriftstellerische Werkstatt und den Garten vor ihrer Haustür mit liebevollen kleinen Geschichten über Sohn, Schafe und Katzen – wobei oft unklar ist, ob es sich bei Wassilij, Bosch und Moses jetzt um Mensch oder Tier handelt.

3. Auf welches Buch freust du dich schon im nächsten Jahr?
Auf den Roman von Lisa Krusche, der im Frühjahr bei S. Fischer erscheint. Sie hat in Hildesheim studiert und wenn ich sie auf studentischen Lesungen erlebt habe, fand ich sie immer sehr sympathisch und lässig. Ihre Geschichten haben sich mir gut eingeprägt und „Unsere anarchistischen Herzen“ wird das vermutlich auch.