3 Fragen an Carolin Hochleichter

Carolin Hochleichter ist Kuratorin des  künstlerischen Konzeptes der Kulturhauptstadt-Bewerbung HI2025. Sie arbeitet als Dramaturgin, Kuratorin und Dozentin mit Wohnsitz in Berlin und hat Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis (Hildesheim/Utrecht) und Kulturen des Kuratorischen (Leipzig) studiert. Noch während ihres Studiums in Hildesheim übernahm sie die künstlerische Leitung für das internationale Theaterfestival transeuropa 2003 und arbeitete anschließend mit Matthias Lilienthal für die Eröffnung des Hebbel am Ufer in Berlin. Von 2004 bis 2007 leitete sie mit Hannah Hurtzig die Mobile Akademie und den Schwarzmarkt für Nützliches Wissen und Nicht-Wissen, bevor sie als Dramaturgin zu Barbara Mundel ans Theater Freiburg ging (2008-2011). Von 2012 bis 2016 war sie Dramaturgin für das Foreign Affairs Festival der Berliner Festspiele. Momentan ist sie als freie Dramaturgin für die Ruhrtriennale tätig und war Ko-Kuratorin für das internationale Programm des Athen- und Epidaurus-Festivals 2019. Zusätzlich arbeitet sie als Produktionsdramaturgin und unterrichtet im Bereich Dramaturgie an der Hochschule für Darstellende Kunst in Ludwigsburg.

1. Du bist nach vielen Jahren als Kuratorin nach Hildesheim zurückgekommen. Wie war das? 
Ich habe Hildesheim im Sommer 2003 nach dem transeuropa-Festival verlassen und kam nun 16 1/2 Jahre später wieder zurück. Das war erschreckend und wunderbar gleichzeitig. Erschreckend, weil es der erste Moment in meinem Leben war, an dem ich so konkret spüren konnte, wie viel Zeit seitdem vergangen ist. Und dass ich damals auch schon längst erwachsen war und dennoch unglaublich viel seitdem passiert ist. Das alles aber fühlt sich, zurück an diesem altbekannten Ort total minimiert, kondensiert, gepresst an. Wunderbar, weil ich – auch zum ersten Mal in meinem Leben – einen vertrauten Ort nochmal neu, mit anderer Aufgabe und anderem Fokus (auf den ganzen Landkreis) entdecken darf.

2. Du arbeitest an dem künstlerischen Konzept für die Kulturhauptstadtbewerbung. Was hast du neu entdeckt? 
Ich arbeite seit Januar 2020 für die Bewerbung der Stadt Hildesheim und hatte nicht allzu viel Zeit Neues zu entdecken, bevor ich nach wenigen Wochen vorerst nicht mehr nach Hildesheim reisen durfte… In der Zeit vorher habe ich vor allem viele Orte im Umland kennen gelernt, die mir damals gar nicht bekannt waren und viele Menschen und Institutionen, die mir damals – in meiner Uni-Blase – gar kein Begriff waren.

3. Du hast weltweit als Kuratorin gearbeitet. Die letzten Wochen hat die Welt still gestanden. Was bräuchte sie jetzt? 
Jetzt braucht die Welt eine Besinnung auf diesen Moment und seine Potentiale. Es braucht die Gabe, diese (scheinbare) Stille auszuhalten und die Langeweile zu genießen. Aber auch Ideen, wie wir die Zukunft gestalten wollen und wie gerade die Mittel der Kultur dazu beitragen können. Das lernen wir gerade im Austausch mit vielen anderen Kulturschaffenden in der Welt und die Zeiten, in denen das Reisen uneingeschränkt möglich war, hilft enorm als Basis für die neuen Formen der Kommunikation, die wir alle gerade akzeptieren und schätzen lernen.