3 Fragen an Birgit Mattausch

Birgit Mattausch ist Autorin, Playing Artist, Inspirateuse, Pastorin und arbeitet als Referentin am Michaliskloster mit dem Schwerpunkt Sprache. Sie twittert, postet und schreibt als Frau Auge und bei evangelisch.de. Dieses Jahr wäre sie bei der Osternacht dabei gewesen, wir freuen uns aber, dass sie beim Johannistag wieder dabei sein wird.

1. Birgit, dieses Jahr hättest du die Osternacht bei uns mitgestaltet – welchen Osterbrauch magst du am liebsten:

Leider können wir ja die Osternacht doch nicht machen – präsentische Veranstaltungen sind einfach doch zu riskant. Aber mein liebster Osterbrauch passt zu dem, was wir da vorhatten: sehr früh aufstehen und sehen, wie es heller und heller wird. Das rührt jedes Jahr etwas in mir an. Vielleicht so: Ich übe zu vertrauen, dass das auch für meine Seele stimmt: es wird heller und heiler für sie ohne mein Zutun an diesem Morgen.

2. Du arbeitest als Referentin und Inspirateuse am Michaeliskloster und studierst Literarisches Schreiben am Literaturinstitut. Welche Spannung erzeugen für dich diese beiden Orte?

Leider fällt mein Studium gerade sehr der Erwerbsarbeit zum Opfer. Diese Pandemiesituation braucht echt Energie und Kraft. Aber an sich finde ich es inspirierend, am Literaturinstitut mit sehr anderen Menschen zu tun zu haben, als ich es in meiner kirchlichen Welt habe. Viele Diskurse um nicht-sexistische, antirassistische Sprache zB, darum, wer spricht usw, die am Institut selbstverständlich mitgedacht sind, sind bei Prediger*innen noch nicht überall angekommen. Andererseits haben die Pastor*innen, mit denen ich arbeite, mit noch einmal ganz anderen Wirklichkeiten zu tun: mit Leben und Tod eben, mit Menschen, die anders leben als sie selbst. Es ist für mich wunderbar, dass ich an beidem Anteil haben kann und ein bisschen zwischen diesen Welten hin- und herdenken. Überall sind Leute, die finden, dass das Leben ohne Schreiben und Wörter gar nicht auszuhalten ist.

3. Ostern ist immer auch Buch-Schenke-Tag. Welche drei Bücher empfiehlst du zum Weiterverschenken:

Ella Risbridger: Die Geschichte beginnt mit einem Huhn – das ist ein Kochbuch, aber eigentlich geht es darum, wie man trotz allem überlebt
Yoko Ono: Acorn – mein alltime Favourite. Lauter kleine Anleitungen, was man so tun kann. Bäumen zuhören zB
Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios – wahrscheinlich haben das alle schon längst gelesen. Mich hat die Sprache, die Welt darin, die Art, wie es gemacht ist, sehr berührt. Einzelne Szenen darin werde ich wohl nie vergessen. Eine spielt in einem Nagelstudio.