3 Fragen an Axel Kawalla

Axel Kawalla ist seit Oktober letzten Jahres Pastor der St. Andreas-Kirche in unserer direkten Nachbarschaft. Außerdem ist er bildender Künstler und arbeitete vorher in der HIV-Seelsorge und Queere Seelsorge der Landeskirche Hannovers.

1. Sie vereinen Kirche und Kultur als Pastor und Künstler in sich. Was bedeutet diese Verbindung für Sie?

 

Viele Kanäle und Türen gehen zwischen Kirche und Kultur hin und her und verbinden sie. Ich selbst entdecke immer häufiger, dass Ideen und Bilder, Worte und Töne, die ich in Kunst, Musik, Tanz und Literatur wahrnehme, Fenster in die Welt aufgestoßen werden, die die Bibel das Reich Gottes nennt. Wenn es dem Leben auf den Grund geht, an die Wurzel, wird es radikal; ich bin überzeugt, in dem Sinne hätte Jesus sich über jede radikale Kunst gefreut.

 

2. Sie haben sich in Ihrer Arbeit in der HIV-Seelsorge besonders auch für queere Lebenswelten stark gemacht. Wie politisch ist Kirche für Sie?

 

Ich habe oft erlebt, dass Menschen, an deren Seite sich Kirche stellt und deren Leben und Sache Kirche zu ihrer Sache macht, weil es das Leben eben dieser Menschen ist, dass diese Menschen merken, wie sehr Kirche das Leben betreffen kann. Ich kenne eine Frau, die ist aufgrund des kirchlichen Engagements in der Flüchtlingskrise wieder in die Kirche eingetreten. Kirche – so allgemein mag ich in diesen Monaten kaum von ihr sprechen – kann und muss in dem Maße politisch werden, wie sie die Wurzeln ihrer Spiritualität und Glaubens in die Tiefe strecken kann; dann hat sie den Halt und Rückhalt, sich weit zu strecken.

 

3. Welches Buch hat Sie zuletzt berührt?
„Der letzte Satz„ von Robert Seethaler. Die Sehnsucht, vergangene Tage einzuholen und noch einmal zu erleben und die Erkenntnis, dass die Augenblicke von Glück jeden Einsatz wert sind, konnte ich gut nachvollziehen. Was Gustav Mahler mit seiner Musik anregen kann, ist mir bisher unbekannt und insofern ist dies neben den guten und wahren Sätzen des Buches noch eine schöne Möhre, die es mir als Esel auch noch vor die Nase hält.