Milena liest: Wie ich fälschte, log und Gutes tat

Im Prinzip ist doch unser ganzes Leben ein Spiel mit Realität und Fiktion, oder nicht? Sich ein Image zusammenbasteln. Einen Filter übers Foto legen. Im richtigen Moment das Richtige posten und somit im richtigen Licht dastehen. Ein Social-Media Phänomen? Ach was! Wer braucht schon Facebook, Youtube und Instagram? In der Kleinstadt Weiden hat man das mit dem Fälschen, oder sollte man vielleicht sagen, ‚der Realität auf die Sprünge helfen‚, auch ohne die Sozialen Medien verstanden.

Benedikt Jäger ist Schüler und geht in die 10. Klasse auf ein Elite-Gymnasium in Weiden. Im Tennis ist er ein Profi, in der Schule leider nicht. Das mit dem Tennis passt hervorragend in die Welt seiner Familie. Sie wohnen in einem großen Haus mit Pool und wenn seine Mutter ihre Lady-Lions zu Besuch hat, dann bittet sie Benni schon mal (wie zufällig) in seinen Tennis Klamotten vorbeizulaufen, das ergibt nämlich ein super Bild! Das mit den schlechten Noten hingegen ist suboptimal und  Benni dreht deswegen ab und zu an der Wahrheit. Er fälscht Unterschriften, Klassenarbeiten, Krankmeldungen. Kostet enorm viel Zeit, aber Benni hat alles unter Kontrolle! Anfangs zumindest…

Thomas Klupps neuer Roman „Wie ich fälschte, log und Gutes tat“, liefert in Zeiten von Fake-News und Selbstoptimierungswahn einen aktuellen literarischen Debatten-Beitrag. Nicht schwarzmalerisch, sondern mit einer ausgezeichneten Humor. Und Benni? Der wächst einem trotz aller Lügen und Tricksereien ans Herz.

Wie ich fälschte, log und Gutes tat. Thomas Klupp, 256 Seiten. Erschien im September 2018 im Berlin Verlag.

Milena Maren Röthig

Am 5. Dezember 2019 liest er mit Karoline Menge im Literaturhaus St. Jakobi Hildesheim.