Milena liest: Schlick

Von Milena Maren Röthig:

Svea verlässt die Stadt, in der sie studiert hat, wohnt nun in einem Haus am Dorfrand: Das alte Haus von Christians Familie, in dem schon Christian gewohnt hat, seine Eltern, seine Großeltern und jetzt Svea und der kleine Linus. Um dieses Haus entspinnt Ada Dorian nicht nur die Geschichte von Svea, sondern auch die von Helene. Zwei Leben in unterschiedlichen Zeiten, die sich mal gleichen, mal widersprechen. Es ist ein Versuch des Gegenüberstellens, eine Suche nach Grundproblemen und Fragen, die nicht nur Helene vor hundert Jahren beschäftigt haben, sondern auch Svea, heute, als junge Mutter. Diese Erzählungen um die beiden Frauen kommen jedoch in „Schlick“ nicht gleichwertig daher. Helenes Erzählstrang wiegt schwerer, scheint klarer und spannender als der um Svea. Das kann als Schwäche des Romans ausgelegt werden, kann aber auch eine gewählte Aussage der Autorin sein. Die Aussage, dass Erinnerung stark ist, dass Vergangenheit die Gegenwart überschattet.

Ada Dorians „Schlick“ ist ein ruhiger, nachdenklicher Roman. Eine Lektüre für die Lücke zwischen den Jahren.

Schlick. Ada Dorian, 272 Seiten, erschienen im Oktober 2017 bei Ullstein fünf.