Milena liest: Mit der Faust in die Welt schlagen

Neschwitz, ein kleiner Ort in der Oberlausitz. Nur verlassene Fabrikgebäude in den Wäldern lassen an das ehemalige Industriegebiet der DDR denken. Im Winter hat hier jemand ein Kreuz mit Zacken auf den Findling auf dem Schulhof gesprüht. Wie ein Zahnrad, denkt Philipp. Der Findling wird vom Direktor mit einem Tuch abgedeckt. Mit anderen Schmierereien machen die das nicht, das weiß Philipp. Mit dem Vorfall müssen einige der Älteren zu tun haben, die immer mit den Autos vor der Schule rumhängen. Ramon, den Philipp aus der Schule kennt, scheint etwas mit den Älteren zu tun zu haben. Etwas fasziniert Philipp an ihm. Als Ramon ihn zur Silvesterfeier mit den Älteren einlädt ist Philipp aufgeregt. Zusammen mit seinem Freund Christoph geht er hin. „Das sind Nazis“, sagt Christoph auf dem Rückweg. Philipp verneint: Nur weil dort Fahnen hängen, weil man Steine oder Zapfen nach Sorben schmeißt oder einfach mal stolz auf das eigene Land ist, ist man doch kein Nazi. Und selbst wenn, wäre es Philipp egal. Denn bei den Älteren dabei zu sein fühlt sich gut an, irgendwie aufregender als der Alltag, den Philipp sonst kennt…

Lukas Rietzschel erzählt über eine rechte Szene, die vermutlich genau so heute denkbar ist. Es ist keine belehrende Geschichte. Sein Roman Mit der Faust in die Welt schlagen bleibt bei den Brüdern Philipp und Tobi. Er nimmt ihre Kindheit in den Blick, die Schulzeit, ihre Erleben und Frustriert werden und ihr schleichendes Radikalisieren – das aus einem Umfeld heraus entsteht, das keine Perspektiven zu bieten scheint.

Mit der Faust in die Welt schlagen. Lukas Rietzschel, 320 Seiten, erschienen 7. September 2018 bei Ullstein.

Milena Maren Röthig